Hallo zusammen,
was macht ihr mit eurem physischen Gold bei der Anschlussfinanzierung?
Ich bin wirtschaftlich recht glücklich mit meinen Goldkäufen aber bei der Anschlussfinanzierung komme ich etwas ins Schwitzen.
Ich habe vor ein paar Jahren ein Haus gekauft. Dieses Haus habe ich mit einem großen Immobilienkredit finanziert (1% Zinsen, 10 Jahre Zinsbindung). Jetzt ist die Zinsbindung bald zu Ende und wir haben noch 80% der Schulden übrig. Wir leben recht sparsam. Statt Sondertilgungen habe ich physisches Gold gekauft. Das hat sich finanziell gelohnt.
Probleme bei der Anschlussfinanzierung
Bank sieht zu Recht mäßiges Einkommen: Der neue Kredit erfolgt zu höheren Zinsen (4%-4.5%). Deswegen wird die Annuität (4.5% Zins + 2% Tilgung = 6.5% statt vorher 1% Zins + 2% Tilgung = 3%) fast doppelt so hoch. Zusätzlich haben wir noch Nachwuchs bekommen also ist Arbeitseinkommen minus Lebenskostenpauschalen niedriger. Die Bank sieht also jetzt etwas mehr Risiko beim Punkt Kreditrate zu verfügbaren Einkommen.
Bank sieht zu Unrecht fehlende Liquidität: Wenn am Haus etwas kaputt geht dann verkaufe ich einfach etwas von meinem physischen Gold also kein Problem. Die Bank sieht mein Gold nicht, sondern nur das leere Bankkonto und denkt, ich bekomme bei der kleinsten Krise direkt Liquiditätsprobleme.
Bank sieht zu Unrecht fehlendes Eigenkapital: Die Bank sieht lieber Kreditnehmer, die im Vergleich zu ihren Schulden noch viel Vermögen haben. Also 100.000 EUR Konto + 300.000 EUR Haus - 250.000 EUR Schulden = 150.000 EUR Eigenkapital sieht besser aus als 0 EUR Konto + 300.000 EUR Haus - 250.000 EUR Schulden = 50.000 EUR Eigenkapital. Das physische Gold sieht die Bank nicht und es zählt daher nicht als Eigenkapital. Wir sehen also schlechter aus als wir sind.
Bank sieht zu Unrecht schwierige Tragbarkeit der Kreditraten: Die neuen Kreditraten können wir locker stemmen, wenn wir weniger Goldkäufe tätigen. Die Bank sieht aber die Goldkäufe nicht. Die Bank sieht, wir haben die letzten Jahre nur die normale Kreditrate bezahlt (3%) und dabei nix gespart. Wie sollen wir uns jetzt die neue Kreditrate (6.5%) leisten?
Ich habe in Wahrheit hohe Sparraten, hohe Liquidität und hohes Eigenkapital aber weil physisches Gold für die Bank unsichtbar ist wirke ich wie ein schlechter Kreditnehmer. Das führt mindestens zu schlechteren Kreditzinsen für mich, oder sogar zur Ablehnung bei so mancher Bank. Die Bank sollte also für den Zeitpunkt der Anschlussfinanzierung sehen können, dass ich ein guter Kreditnehmer bin.
Lösungsmöglichkeiten:
Option 1: Glückliche Bank, aber teuer und ich locke Verbrecher an
Ich gehe mit den Gold und den Anschaffungsbelegen zum Goldhändler. Verkaufe mein physisches Gold mit Abschlag, pack mir das Geld aufs Konto, anschlussfinanziere meinen Kredit und kaufe dann mein Gold mit dem Geld auf dem Konto wieder zurück. Goldhändler trägt mich mit Namen und Adresse in eine Datenbank und meldet das ans Finanzamt. Das Finanzamt prüft dann meine Anschaffungsbelege und meine Kontoauszüge.
(+) Die Bank ist glücklich, sieht viel Liquidität, viel Eigenkapital
(-) Wenn meine Anschrift aus der Datenbank des Goldhändlers in falsche Hände gerät, bekomme ich evtl. unliebsamen Besuch (Einbruch, Raub, etc.)
(-) Ich verkaufe das Gold unter Marktpreis und kaufe es später über Marktpreis zurück.
(-) Zwischen Kaufzeitpunkt und Verkaufszeitpunkt sitze ich in EUR, was ja an Wert verliert.
(-) ich kann mein Gold gar nicht mehr anonym zurückkaufen, weil die Unzen inzwischen über 2000€ kosten
Option 2:
Privatpersonen dürfen Gold kaufen, ohne die Anschrift des Verkäufers zu dokumentieren. Also suche ich private Käufer, denen ich mein Gold gegen SEPA-Überweisung verkaufe.
Meinen Namen kann ich hierbei gerne rausgeben, aber meine Anschrift, wo meine kleinen Kinder wohnen, die möchte ich einfach nicht in der Welt rausposaunen. Ich finde es unglücklich, wenn der Staat Verbrechern hilft, liebe Menschen auszurauben, indem er von gewerblichen Käufern fordert eine Datenbank mit den Anschriften ihrer Kunden anzulegen. Diese Datenbank liegt dann auf mit dem Internet verbundenen Computern - ein gefundenes Fressen für Räuber. Da bin ich froh, dass einem wenigstens der private Verkauf ohne Anschrift erlaubt bleibt, damit man seine Kinder nicht unnötig in Gefahr bringen muss.
(-) etwas mehr Aufwand gegenüber Option 1
(+) meine Anschrift landet in keiner zentralen Datenbank, die Verbrecher zu mir nach Hause lockt
Optimal wäre hier einen vertrauensvollen Handelspartner zu finden. Also nicht 1x viel verkaufen sondern alle paar Monate eine Unze.
Option 3:
Ich finde jemanden aus der Familie oder engen Freunden, der Geld hat. Ihm verkaufe ich mein Gold vor der Anschlussfinanzierung und vereinbare Gleichzeitg einen Rückkauf nach der Anschlussfinanzierung.
(+) am Ende behalte ich mein Gold
(-) kann man nur mit wenigen Menschen umsetzen
Fazit
Was hält ihr von meinen 3 Optionen?
Hat jemand von euch Erfahrungen bei der Anschlussfinanzierung mit physischen Gold gemacht? Habt ihr den Bestand einfach verschwiegen? Habt ihr einen Teil eures Goldes vor der Anschlussfinanzierung verkauft?
Ich freue mich auf eure Antworten!