skeptisch4ever
Deine Ausführungen zum Ölpreis: Genau solche Gedanken hatte ich mir auch gemacht. Es sieht so aus, als würde der Ölpreis immer wieder mal (im Abstand von mehreren Jahrzehnten) auf eine ganz andere Ebene gehoben, auf der er dann - unter starken Schwankungen - für Jahre und Jahrzehnte verharrt. Das würde auch mit meinen Überlegungen zum Gold-Öl-Verhältnis von 15 bis 20 korrespondieren, was bei einem Goldpreis von 5.000 USD dann einem Ölpreis von 250 bis 333 USD entsprechen würde.
Dann würden natürlich wieder alle jammern (Benzinpreise, Konjunktur usw.). Aber es liegt halt nicht in der Verantwortung der Rohstoffe, wenn Gesellschaften bzw. Politik ihre Währungen vor die Wand fahren, sei es durch einen völlig überzogenen Wohlfahrtsstaat, Klientelpolitik, Gelddruckerei, Schuldenorgien etc., wobei das alles natürlich ineinander übergeht. (Und steigende Preise sind ja meistens nichts anderes als ein Ausdruck des Kaufkraftverlustes.)
valueman
Von mir gibt es immer mal wieder längere Texte zu lesen. Ich möchte gern einfach meine Überlegungen mitteilen und hoffe auf einen detaillierten Gedankenaustausch. (Oft kommt es auf Details an, die man schnell übersehen kann. Solche Details bieten immer wieder mal tiefere Einsichten und Anlass, unter einem ganz anderen Blickwinkel auf ein Investment zu schauen.)
WPM ist eine der wenigen in meinem Depot verbliebenen Edelmetallaktien. Ich denke, ich würde bei einem Neueinstieg auch WPM ggü. FNV und RGLD den Vorzug geben. Man kann diese Royalty-Firmen wohl als Kompromiss zwischen physischem Metall und Aktie betrachten. Ich fühle mich da wunderbar aufgehoben, da ich auf diese Weise einerseits weiterhin mit Goldaktien dabei bin, aber mir keine Sorgen wegen der von mir erwarteten Steigerung der Produktionskosten machen muss. (Zijin dürfte i.O. sein. Damit habe ich mich aber nicht intensiv beschäftigt.)
Und nochmal zum Öl: Ich hatte hier zulasten der Liquiditätsreserven etwas über die Stränge geschlagen und einfach zu viele Öl-Positionen im Depot. Deshalb musste ich aktiv werden. Öl-Konzerne sind aber trotz des Equinor-Verkaufs noch stark im Depot vertreten, allen voran Petrobras.
Nebius und Tech-Aktien: Ich denke einfach, dass dieser Technologie-Zyklus (Digitalisierung usw.) noch lange nicht am Ende ist. Nun ist also "KI" das nächste Zugpferd. Ich sehe das mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge.
Das lachende Auge: Man denke daran, dass im Mittelalter ca. 90% der Menschen in der Landwirtschaft tätig waren. Man stelle sich vor, das wäre noch heute so: Dann gäbe es niemanden in der Automobilindustrie, in der Elektrizitätsversorgung usw., und der Lebensstandard wäre entsprechend niedrig. Wenn man es schafft, die durch KI überflüssig gewordenen Beschäftigten anderweitig "schaffen" zu lassen, dann kann der Lebensstandard nochmal einen gewaltigen Schub erleben, evtl. vergleichbar mit der Entwicklung vom Mittelalter bis heute. (Das alles ist natürlich nur möglich, wenn nicht irgendwelche Lobbyisten, Politiker u.a. dazwischenfunken.)
Das weinende Auge: Die o.g. positiven Aspekte sind graue Theorie. Die Realität wird für unsere Gesellschaften starke "Verwerfungen", teilweise Katastrophen, mit sich bringen - einfach, weil das alles so verdammt schnell geht.
Ich habe mit der Branche zu tun. Am vergangenen WE habe ich noch mit jemandem telefoniert, der in die USA ausgewandert ist und dort Karriere gemacht hat. Er hat bis vor kurzem meine Ansichten zur KI und zur Arbeit von Informatikern und Ingenieuren i.w. geteilt, nämlich in etwa so: "Es kommt auf die Präzision an, und wenn die KI z.B. das Programmieren übernimmt, dann muss die KI zunächst ganz gezielt mit Informationen gefüttert werden - und dann besteht die Arbeit der Informatiker und Ingenieure eben aus dem Füttern der KI, was dann einfach bedeutet, dass sich das Berufsbild wandelt". Mein Bekannter sieht das nun, nachdem er mit einigen arbeitslosen Kollegen gesprochen hat, nicht mehr so. Er sagt, dass Ingenieure (gute Leute, wohlgemerkt) hundertfach Bewerbungen schreiben, aber trotzdem nichts mehr finden. Der Hintergrund: Die KI beginnt, Kreativität zu entwickeln - das ändert alles und wirft bisherige Überlegungen über Bord. Ich kann seine Argumente nachvollziehen und bin auch dabei, jetzt anders über KI zu denken.
Wir gehen anscheinend diesen Weg: Rechenleistung ist das neue Gold, und wer noch viele Ingenieure beschäftigt, ist zu teuer. Und Rechenleistung bedeutet: Zugang zu modernen Chips und zu Energieversorgung.
Ich schreibe an dieser Stelle (auch als Erinnerung für mich - zum Nachlesen in ein paar Jahren) nochmal auf, was mich für Nebius positiv stimmt.
1. Als eine der wenigen Firmen Zugang zu den neuesten Nvidia-Chips
2. "Ritterschläge" durch Großkonzerne (Nvidia, Microsoft, Meta)
3. Verwässerung des Aktienkapitals hält sich in Grenzen, da Kunden Vorauszahlungen leisten
4. M.E. der wichtigste Punkt: Neben der Rechenleistung wird auch Software angeboten, so dass Kunden "alles aus einer Hand" bekommen können
5. Nebius hat russischen Hintergrund. (Ich hatte bereits mit Auswanderern aus der Sowjetunion zu tun. Mein Eindruck: Die müssen eine sehr gute Ausbildung genossen haben, denn sie verfügten über fundiertes Hintergrundwissen - sie gehörten zu den Besten.)
Mein zweiter Tech-Favorit ist übrigens AMD. Dr. Lisa Su ist nicht nur CEO, sondern auch Vorsitzende des Board of Directors. Das ist eher ungewöhnlich und scheint der Firma eine enorme Flexibilität zu verleihen. Immerhin hat sie es geschafft, aus einem Pleite-Kandidatin eine florierende Firma zu machen, die Intel den Rang abgelaufen hat. Ich denke, das kann man so sagen; im Jahr 2000 wäre das wohl undenkbar gewesen. Die Dame ist übrigens mit dem Nvidia-Chef verwandt. Nun ja, und AMD ist Nvidia-Konkurrent. Der KI-Markt dürfte für beide Konzerne genug Futter bieten. (Den Einstieg von Nvidia bei Nebius kann man auch unter dem Aspekt betrachten, dass Nvidia sich damit zukünftige Nachfrage nach seinen Chips sichert - auch wenn diese Überlegung zum jetzigen Zeitpunkt weit hergeholt wirkt.)
Ich persönlich habe für meine beiden Tech-Favoriten so hohe Kursziele, dass ich sie hier lieber nicht schreibe.
Du triffst immer wieder eine gute Auswahl, valueman. Das beobachte ich seit Jahren. WPM und Equinor sind da nur Beispiele. Hoffen wir beide mal, dass man das ("gute Auswahl") auch in den Jahren 2030 und 2035 rückblickend bzgl. Nebius (und bitte auch bzgl. AMD) sagen kann.