Eine Überlegung zum fairen Preis von Gold...
Man nehme das Dow/Gold Ratio. Warum funktioniert das so gut? Weil der Dow ein Kursindex ist, ohne Dividendenberücksichtigung. Er spiegelt quasi den Marktpreis von Produktivmitteln wider. Ca. die Hälfte der Gewinne wird intern investiert, für "Wachstum", in Wirklichkeit aber um obsolete Anlegen zu ersetzen und auf dem neuesten technischen Stand zu bleiben. Damit partizipieren die Produktivmittel voll am Produktivitätswachstum der Wirtschaft, langfristig real ca. 1.5%. Die andere Hälfte wird als Dividende ausgezahlt.
Macht real 1.5% Kurssteigerung pro Jahr und 5%, nach Steuern vielleicht 3.5%, an Dividenden.
Gold degegen steigt real nicht, stabil zu Warenpreisen. Gold würde auch um diese 1.5% steigen, wenn es keine Neuförderung gäbe. Meine These ist schon seit Jahren, daß die jährliche Goldproduktion geteilt durch den Weltgoldbestand dem weltweiten Produktivitätswachstum entspricht.
Nehmen wir folgende Grafik:
http://bullmarketthinking.com/…03/dow-ratio-chart-21.jpg
und beachten wir mal die roten, sehr gewagten Markierungen nicht. Nur die grüne Linie.
Faires Ratio war im Jahr 2000 ca. 18, jetzt ca. 22. Doch Stopp, stimmt das überhaupt?
Nein. Das Problem ist, daß das ganze nur solange funktioniert solange das oben beschriebene Modell funktioniert. Leider ist das nicht immer der Fall:
-1929-37: Balance Sheet recession nach Koo, in dieser Zeit wurden Schulden zurückgezahlt, es fand aber kein Produktivitätswachstum statt. Damit müßte das Dow/Gold Ratio über diesen Zeitraum konstant geblieben sein (Grafik zeigt Anstieg von ca. 4 auf 6)
-1995-2015: Entnahmen aus dem reinvestierten Kapital durch Finanzsektor und gierige Manager, m.E. kein Wachstum mehr
-2015-2030: die große Deflation? Wie in Japan? Schulden abtragen, wieder kein Produktivitätswachstum.
Demnach wäre das faire Dow/Gold Ratio im Jahr 2000 bei 12 gewesen und nicht 18. Und es läge immer noch bei 12 und wird es wahrscheinlich auch bis 2030 bleiben.
Und oh Wunder: ca. 1970 hätte es bei bei 6 gelegen. Diese Trompetenformation ist dann absoluter Schwachsinn (stattdessen verläuft die grüne Linie nach 1945/50 einfach mit einem Versatz 1/3 tiefer weiter). Der Zyklus mit dem Tief im Ratio 1980 wäre dann keine Jahrhundertanomalie gewesen, sondern voll gültiger Tiefpunkt, das Hoch im Jahr 2000 symmetrisches Hoch zu 1966. Geht man von einem symmetrischen Tief zum Tief 1980 aus, und von 48 im Jahr 2000 realem Ratio = 4x das faire Ratio, dann könnten wir als Tief 1/4 vom fairen Ratio, also 3 erwarten.
Also ist realwirtschaftlich betrachtet doch noch deutliches Abwärtspotential gegeben. In einer volatilen Phase (Zinswende, Anleihecrash?) Ratio 3, dann mehrere Jahrzehnte Schwankungen um 12 herum.
Das ist die Spekulation, Potential bis $6000.
Fair Value wäre m.E. dann $1500 bei einem Dow von 18000.
Wahrscheinlich müßte man für die Zeit um den Bürgerkrieg 1860-65 (auch damals wirtschaftliche Probleme) ebenfalls eine Korrektur durchführen...
Gruß
S.