Da die Religionen (und Gott) in dieser Zeit des Streits und der Heuchelei nicht mehr en vogue sind oder sie selbst in der Mehrheit nurmehr verkrüppelte Agenten von nach weltlich strebenden Ideologen und Moralinstitutionen sind und damit verabscheuungswürdig
Gertz hat hier immer wieder dran erinnert, daß die Lösung nicht darin besteht, zu fragen, wer uns unterdrückt ("weltlich strebende Ideologen und Moralinstitutionen"), sd. warum wir es einfach zulassen.
Hier scheint mir der wunde Punkt zu liegen. Dieser Schattauer im von mir inkriminierten Zitat hat ja erstmal recht damit zu beklagen, daß sich die meisten Menschen egoistisch verhalten und in einem Glückskonzept festhängen, daß aus Lustmaximierung und Unlustvermeidung besteht. Wo ES ist, soll aber ICH werden (Freud)...
Schattauers Diagnose besteht nun darin, daß eine auf Transzendenz bezogene Religion ein Hindernis für die Ichwerdung und Weltveränderung ist, weshalb er eine nichtreligiöse Weltanschauung (oder nur eine andere Art von Religion, die rein auf die Immanenz bezogen ist? Sein Anspruch ist ja hoch, praktisch religiös!) fordert. Ob seine Deutung stimmt, daß sich Menschen von ihrer Religion eine Lösung ihrer ALLTAGS- oder politischen Probleme erwarten, wage ich im übrigen zu bezweifeln. Das ist ein billiger rhetorischer Trick (wobei man sich fragen könnte, warum er so zieht? )
Damit löst er das Grundproblem aber nicht, sd. verschiebt es nur. Denn die Grundfrage lautet: wie kann man Menschen motivieren, sich in der Welt für das Gute zu engagieren anstatt sich von Heilsversprechen irgendwelcher Erlöserfiguren einlullen zu lassen? Indem man ihnen SAGT, daß sie ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen sollen, weil es sonst keiner für sie tut?
Hier liegt das Grundproblem jeder Ethik: wie man man die Menschen motivieren, das Gute zu tun? Einsicht ist notwendig, aber nicht hinreichend. Ich sage nicht, daß Religion jetzt hier DIE Lösung ist, aber ich meine, daß man Religion vlt. nicht auf islamische Selbstmordattentäter oder woke katholische Bischöfe verengen sollte, um es im geistigen Orkus meint verabschieden zu müssen.