Siehst Du bei diesem wichtigen Aspekt historische "Vorbilder"? Vielleicht beim Untergang von Rom?
Ist meiner Ansicht nach auch nicht passend, weil auch hier schlussendlich militärische Gewalt den Untergang des geschwächten Imperiums besiegelte. Aber dass ein Staat sich selbst derart von innen zerlegt? Nun gut, vielleicht kommt die militärische Auseinandersetzung noch, hoffe natürlich, dass sie uns erspart bleibt.
Ja, das ist wirklich auch ein interessantes Thema, sprengt leider diesen Thread... Finde, wenn man sucht, findet man immer Analogien, aber es ist immer problematisch, historische Entwicklungen 1:1 übertragen zu wollen.
Wir wissen es ja nicht, was ausschlaggebend war ... Selbst wir, die wir ja die DDR noch erlebt haben, sind uns ja trotz "realen Erlebens und Erfahrens" oft gar nicht mal so einig in der Bewertung selbiger ...
Z.B. bei den Osterinseln oder untergegangenen südam. bzw. präkolumbianischen Indio-Zivilisationen werden oft ökologische Faktoren als verantwortlich für deren Niedergang genannt - könnte man aber die übermäßige, extensive Ausbeutung der Ressourcen (Abholzung aller Wälder) nicht auch auf degenerativ wirkende Faktoren (ergo innere Schwächung) der damaligen gesellschaftlichen Herrscher- u. Führungsschicht zurückführen? Wer unfähig ist, sich anzupassen, geht unter.
Unter Historikern werden auch verschiedene Auffassungen darüber vertreten, was letztlich für den Untergang Roms (d.h. des Weströmischen Reichs) ursächlich gewesen sein mag: "Dekadenz" wurde früher häufig angeführt (ein geistiger Verfalls- und Erschlaffungsprozess - da könnte man durchaus eine Parallele zum heutigen Europa ziehen), "Katastrophe" (Invasion der Barbaren, die aber in ein militärisch geschwächtes Reich eindrangen), "Transformation" (der zufolge es "nur" zu einem Wandlungsprozess, keinem Untergang kam - quasi nur eine Überleitung ins Mittelalter - Parallele: so wie wir uns jetzt ebenfalls "wandeln") und "Bürgerkrieg" (Rom war als Folge jahrzehntelanger Bürgerkriege so geschwächt, dass es erodierte ) ... Gibt auch Thesen, die Schwächung von Verwaltung, Behörden, Militär (viele Söldner) als Faktoren nennen, aber hat dies nicht wiederum geistige oder "kollektivpsychologische" Ursachen - man entwickelt sich nicht weiter, also gibt man zugunsten Anderer den Raum frei ...
Wir finden also auch Ansätze, die man auf unsere heutige Lage anwenden könnte, ja? Und eine monokausale Betrachtung ist vielleicht immer unzureichend.
Man könnte ja auch sagen, dass der Einfall der Barbaren in Deutschland/Europa friedlich erfolgt, dass die Landnahme ja von den herrschenden Kreisen sogar begrüßt wird. Wenn niemand eine Invasion als solche begreift, gibt es sie dann überhaupt?