Ja und was ist die Folge dieses kirchenartigen Glaubens? Wir sehen es in unseren Portfolios. Da geht es nicht nur um Opportunitätskosten, sondern vermutlich häufig genug um ganz reale nominale Kapitalverluste. Simples Gold wäre langfristig deutlich besser gewesen als Minenaktien. Jedenfalls wenn es um das Halten geht. Davon hatten wir es ja schon oft genug.
Wenn man diese Tatsache durch Stockpicking, Trading oder Hedging ganz erheblich verändern will, erfordert das schon eine Menge Können, konstant Zeit und Energie, dazu vielleicht auch noch Glück. Vom Aufwand her ist das dann eine Art berufliche Nebenbeschäftigung - vom Tief um die Jahrtausendwende für Einige hier bisher ca. 23 Jahre lang. Was war der Ertrag davon, gerne ganz basal als Stundenlohn augedrückt?
Ich gehe schon davon aus, dass die Edelmetalle wieder gut performen werden. Bzw. noch besser als die letzten Jahre, denn gut performen tun sie ja schon, in vielen Zeithorizonten, jedenfalls das Gold. Da sind wir immer noch nahe dem ATH in einer längeren Seitwärts-Trading Range (in USD), und in € ist´s gar noch besser gewesen.
Die Minen haben im Verhältnis zum Gold in den letzten 23 1/2 Jahren schlecht performt, unter sehr großen Schwankungen. Die einzige relativ bessere Ausnahme ist der Subsektor der großen Royalty-Unternehmen gewesen:
Rot sind die Standardminen (XAU-Index) im Verhältnis zum Goldpreis.
Schwarze Linien die "großen 3" FNV, WPM und RGLD, jeweils im Verhältnis zum Goldpreis. Auch wenn man diese Linien hier nicht richtig auseinanderhalten kann: die ganz unterschiedliche Tendenz beider Gruppen ist eindeutig.
Wenn man alternativ den GDM-Index nimmt, sieht man die Outperformance der Minen insbes. 2001-2003 (ggü. dem Goldpreis) deutlicher. Sie ist ja - phasenweise - eine Tatsache. Aber RGLD hatte damals das gleiche Merkmal.
Man kann es drehen und wenden wie man will. Den Chart beim Hoch des $GOLD 2011 beginnen lassen, oder beim Tief 2016. Es ist immer das gleiche Ergebnis.
Royalty-Unternehmen sind keine Bergbaufirmen. Sie haben grundlegend andere Eigenschaften, sind aber im Sektor der gleichen Edelmetalle oder Rohstoffe tätig, und von deren Zyklen beeinflusst. Sie können daher als Depotanker in einem EM-orientierten Aktiendepot, und dort als bessere Alternative zu den (denglisch:) Minen genommen werden.
Das macht den Depotaufbau im EM-Bereich so viel einfacher. Es reduziert schon mal die Sorge vor Tradingfehlern ganz erheblich. Schließlich braucht man nicht gegen den fallenden relativen Langfrist-Trend eines ganzen Sektors (EM-Bergbaufirmen) "anzutraden" oder "anzupicken". Allerdings muss man dann zwingend zu Einzelwerten kommen: Goldminenfonds sind in der Regel (bis auf den GOAU vielleicht?) keine Alternative, die man in Betracht ziehen wird.
Mit einigen wenigen - aber dann substanziell großen - zusätzlichen Einzelpositionen an Explorern, Entwicklern oder bestimmten Produzenten bleibt immer noch genug Möglichkeit, die Performance im Aufschwungphasen zu verbessern. Alternativ durch maßvolle Positionsanpassungen (d.h. mittel- bis langfristig orientierte Trades) bei den Royalty-Unternehmen selber.
Und ja, ich vermute stark, dass die EM-Aktien (im Vergleich zum Goldpreis) in den nächsten Jahren mal wieder auf dem aufsteigenden Ast sein könnten. Und auch die Kurse der Royalty-Unternehmen werden profitieren.
Doch die Risiken nehmen bekanntlich zu - die zum Teil sogar die Royalty-Unternehmen betreffen. Was das Stockpicking bei Explorern, Developern und Produzenten noch schwieriger bzw. diesen Sektor aus Investorensicht noch riskanter macht... worauf sich die Katze in den Schwanz beißt, und die großen stabilen Royalty-Unternehmen noch attraktiver erscheinen.
Gruß,
GL