Eine Notfall-Prüfung für Strang B von Nord Stream 2 wäre in einer extremen Gasnotlage kein monatelanger bürokratischer Prozess, sondern ein Hochdruck-Manöver, das technisch in etwa 7 bis 14 Tagen durchgezogen werden könnte.
So sähe der "Fast-Track" aus:
1. Die technische Inspektion (Dauer: 3–5 Tage)
Anstatt grossflächiger neuer Gutachten würde man sich auf zwei Dinge konzentrieren:
- Drucktest: Man prüft, ob der aktuelle Stand von ca. 54 bar über 48 Stunden absolut stabil bleibt. Das ist der sicherste Indikator für die Integrität der Hülle.
- Molchung (PIG-Einsatz): Ein intelligenter Inspektionsroboter (Molch) wird durch die Röhre geschickt. Dieser scannt die Innenwand auf Risse oder Verformungen, die durch die Druckwellen der benachbarten Explosionen entstanden sein könnten. Die Daten können in Echtzeit ausgewertet werden.
2. Die behördliche Abnahme (Dauer: 48 Stunden)
Normalerweise dauert eine Zertifizierung durch den TÜV oder das Bergamt Stralsund Monate. In der Notfallstufe würde dies per Ministerialerlass abgekürzt:
- Die Sachverständigen müssten lediglich bestätigen, dass die Röhre "hinreichend sicher für den befristeten Betrieb" ist.
- Die Haftung für etwaige Umweltschäden würde durch eine staatliche Garantieerklärung vom Betreiber auf den Bund übertragen, da keine Versicherung so schnell einspringt.
3. Anfahren der Verdichterstationen (Dauer: 2–4 Tage)
Auf russischer Seite (Portovaya) müssten die Turbinen hochgefahren werden, um das Gas mit dem nötigen Betriebsdruck (ca. 100-150 bar) Richtung Deutschland zu pressen. Da die Stationen modern sind, ist dies technisch das kleinste Problem – sofern der politische Befehl aus Moskau kommt.
Das grösste Hindernis: Die "Inbetriebnahme-Angst"
Technisch wäre der Strang also in maximal zwei Wochen am Netz. Das Problem ist die politische Haftung: