GOLD : Märkte und Informationen

  • Vatapitta, Deine Darstellung gibt ein falsches Bild - entschuldige das harte Wort.


    Für RM hast Du vor der Währungsreform ohne Lebensmittelmarken oder Bezugsschein praktisch nichts mehr bekommen - schon gar kein Gold. Die Kurse, die Du für RM, Gold und USD nennst, waren rein fiktiv.


    Aber auch für Gold bekam man nicht viel. Ich erinnere mich gut, als Kind gehört zu haben, dass die Städter sehr empört darüber waren, wie wenig Lebensmittel sie für ihre Preziosen von den Bauern bekamen. Wertvoll waren Lebensmittel und Genussmittel ("Zigarettenwährung"), allenfalls noch Praktisches wie Kleidung und Schuhe.


    Als ich nach einer "Erholung" von zwei Wochen zurückkam und die Familie mich am Bahnhof abholte, erzählte mir meine Mutter auf dem Weg durchs Dorf, die Brotration sei von 175 g pro Person auf 200 g angehoben worden. Das war, was damals interessierte, auch wenn sicher nicht alle Eltern das mit einem knapp 10-jährigen Kind besprochen haben. Mangel an Lebensmitteln führt zu einer Umwertung aller Werte. Nebenbei: dass ein Kind meines Alters allein Bahn fährt, war ganz selbstverständlich.


    Mit der Währungsreform (zehn Tage nach meinem zehnten Geburtstag) und der Aufhebung der Bewirtschaftungsvorschriften änderte sich das vollkommen. Jetzt waren alle Läden voll mit (meist vorher gehorteten) Waren. Aber es fehlte das Geld, um sie zu kaufen.


    Zur Veranschaulichung noch etwas von Eugen Roth:


    Ein Mensch begräbt zwei alte Tanten
    und teilt ihr Gut mit den Verwandten.
    Erbtante man die eine nennt;
    viel Streit gabs schon ums Testament.
    Was hatte sie: Ein schönes Haus -
    sechs Wochen vorher brannt es aus
    und bringt jetzt nicht einmal mehr Miete.
    Die Erbschaft, kurz, war eine Niete.
    Die andre Tante, die war ärmlich;
    den Kram, der sicher recht erbärmlich,
    ließ man dem Menschen, unbesehn;
    was konnte schon verloren gehn?
    Nur sacht! Das wichtigste gerade:
    zwölf Töpfe Himbeermarmelade,
    ein schweres Kübelchen voll Schmalz,
    ein bisschen Butter, Zucker, Salz,
    noch echter Zimt und echter Pfeffer -
    kurzum, die Erbschaft war ein Treffer!
    Aus dem Gedächtnis, daher keine Garantie für den Wortlaut.


    Übrigens, themenfremd: Kennt Ihr Wippchen? Von Ihm stammt die Formel: Entschuldigen Sie das harte Wort. Beispiele hier:


    https://www.deutschlandfunkkul…esicht-getroffen-100.html


    Gruß! Fritz

    Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“ — Paul Sethe. Leserbrief SPIEGEL, 5. Mai 1965.

    Einmal editiert, zuletzt von fritz () aus folgendem Grund: Tippfehler beseitigt

  • Wenn der Goldpreis in diesem Umfeld nicht explodiert, wann denn bitte dann?!

    Wenn die Leute aufwachen und Nachfragewirksam Gold erwerben.
    Bis dahin können der Staat und seine Zentralbank einfach machen was sie wollen.


    Von 1896 bis 1913 (VOR dem 1. Weltkrieg) gab es in Deutschland auch eine erhebliche Fiatgeldausweitung die den Goldstandard unterminiert hat und Gold hat sich einfach nicht bewegt.

    In aurum veritas
    Veritas vos liberabit

    Einmal editiert, zuletzt von FoersterX ()

  • Danke für deinen Hinweis Fritz.


    Die Zahlen habe ich ungeprüft von der Seite von Celtic Gold übernommen, die natürlich die Vorteile ihres Produktes bewerben wollen.


    Selbstverständlich sind in einer Notlage Lebensmittel das Wichtigste und das Teuerste.



    Das Beispiel bezieht sich nur auf den monetären Unterschied, ob jemand 10.000 RM hält oder die entsprechende Menge Gold im Besitz hat. Derjenige mit Gold konnte sich für den Geldwert nach der Währungsreform fast ein Haus kaufen. Der andere hatte ca. 7% des Wertes in neuen DM.


    Du schreibst selber, dass für RM kein Gold zu erwerben war.


    Natürlich sind für eine elementare Krise Güter des täglichen Bedarfs wichtiger als Edelmetalle und als Tauschobjekte viel wertvoller.


    Wer dann noch Euros über hat, ist mit Gold gut beraten, da das nicht entwertet wird, wie das Papiergeld.



    Die Tante mit dem abgebrannten Haus war nach der Währungsreform die bessere Erbtante. ;)
    Du hast als Kind unschöne Erfahrungen machen müssen, geb. 1938. - Alles Gute!



    LG Vatapitta

  • Aber auch für Gold bekam man nicht viel. Ich erinnere mich gut, als Kind gehört zu haben, dass die Städter sehr empört darüber waren, wie wenig Lebensmittel sie für ihre Preziosen von den Bauern bekamen. Wertvoll waren Lebensmittel und Genussmittel ("Zigarettenwährung"), allenfalls noch Praktisches wie Kleidung und Schuhe.

    Das stimmt in dieser Form nicht ganz. Meine Großeltern und meine Mutter wohnten auf dem Dorf, erlebten diese Zeit
    also vor Ort. Für Gold erhielt man im Grunde alles. Optimal war es das Gold bei einem "Grosshändler", noch besser
    bei Besatzern (Offiziere) in Genussmittel wie Zigaretten, Schnaps und Konserven einzutauschen. Mit dieser "Währung" bekam man dann alles auf dem Schwarzmarkt. Der direkte Tausch beim Bauern war die schlechteste Option, vor allem Schmuck war schlecht einzuschätzen und führte deshalb immer zu unterschiedlichen Bewertungen
    durch die Parteien. Letztendlich bestimmte der Bauer den "Preis", natürlich zum Nachteil des Verkäufers. Zigaretten
    waren da wesentlich besser und auch bei den Bauern beliebt und begehrt.
    Mein Großvater war bei der Reichsbahn und hatte auf Grund seiner Tätigkeit als Stellwerksleiter Kontakt zum Militär.
    4 Kaiser Wilhelm 20 RM = 200 Lucky Strike. :D . Und der Willi war sehr begehrt.

  • 4 Kaiser Wilhelm 20 RM = 200 Lucky Strike

    traveller, Du hast sicher recht, dass mit Gold bei den Besatzern noch am ehesten was lief. Aber Dein Beispiel bestätigt, was ich sage: Auch für Gold bekam man nicht viel. Nach der Währungsreform kostete eine Zigarette zehn Pfennig (Fünferpack HB am Automaten 0,50 DM).


    https://thinkpad-forum.de/thre…enpreise-1953-2002.41928/


    Deine 200 Lucky Strike hätten also 20 DM gekostet. Dafür 80 RM in Gold ist kein gutes Geschäft. Ob zu jener Zeit die Zigaretten mehr oder das Gold weniger wert war, ist eine müßige Frage.


    Gruß! Fritz

    Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“ — Paul Sethe. Leserbrief SPIEGEL, 5. Mai 1965.

  • Die Tante mit dem abgebrannten Haus war nach der Währungsreform die bessere Erbtante.

    Vatapitta, da hast Du natürlich völlig recht. Das Gedicht gibt die Sicht kurz nach dem Krieg wieder. Korrigieren wollte ich es nicht.


    Meine eigene Familie (Großmutter und drei Kinder, darunter mein Vater; Großvater war am Tag der Invasion gestorben) hat den Fehler gemacht, das große und schöne, aber zerbombte Haus meines Großvaters zu verkaufen, weil man fürchtete, Lastenausgleich zahlen zu müssen. Statt dessen hätte man noch was bekommen, und das Grundstück wäre viel mehr wert gewesen.


    Könnte noch viel erzählen, aber passt nicht in den Faden.


    Gruß! Fritz

    Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“ — Paul Sethe. Leserbrief SPIEGEL, 5. Mai 1965.

  • Ein goldener Ehering = ein kleiner Sack Kartoffeln (1945)
    Die Bauern haben die Notlage schamlos ausgenutzt.


    Gold taugt nicht in, sondern nach der Krise!

    THE GAME IS DONE WHEN THE SILVER´S GONE

    Bix Weir

  • Ein goldener Ehering = ein kleiner Sack Kartoffeln (1945)Die Bauern haben die Notlage schamlos ausgenutzt.


    Gold taugt nicht in, sondern nach der Krise!

    Was war mit Silber zu diesen Zeiten.
    Wie hat sich Silber damals als Wert in der Kriese und nach der Kriese verhalten?

  • in der Kriese und nach der Kriese

    Ich krieg ne Krise. :D

    Demokratie ist die Diktatur der Dummen (Friedrich von Schiller)
    Das Grundprinzip der Parteien-Demokratie ist, die Bürger von der Macht fernzuhalten (Michael Winkler)
    Wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt, wird von ihr überrollt werden. 8o
    Wer Banken sein Geld überlässt, macht sich mitschuldig :!:

  • Fritz, Deine Darstellung fußt aber auch auf einer irrigen Annahme.


    Nämlich darauf , dass zwei, nennen wir sie A und B. quasi am 'Vorabend' der Währungsreform 10 000 RM af dem Konto hätten und der eine noch schnell seine 10 000 RM in Gold tauschen möchte/tauscht.


    Angenommen A und B haben 10 Jahre lang einen Teil ihres Einkommen gespart. Sagen wir 1000 RM pro Jahr. A hat sein Geld bei der Bank als Sichteinlage gespart und dafür Zinsen erhalten. B hat einmal im Jahr für 1000 RM Gold gekauft. Dann tritt das von @vatapitta geschilderte Szenario nach der Währungsreform exakt ein. :D


    Wer also weitsichtig gehandelt hat, wird belohnt. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben/die Währungsreform.

    Der Optimist glaubt , dass wir zur Zeit im besten Deutschland aller Zeiten leben. Der Pessimist befürchtet es !

  • Fritz...Preise vor und nach der Währungsreform zu vergleichen


    ist wie ne statistik des RKI....von hinten bis vorn erlogen.


    cu DL...als Bauer hätte ich die Stadttusse noch auf dem misthaufen gevögelt...als Dreingabe...weil


    die Stoderer haben den Adolf gewählt

    Plutonia lebe hoch und Gold ahoi

  • Was war mit Silber zu diesen Zeiten.Wie hat sich Silber damals als Wert in der Kriese und nach der Kriese verhalten?

    Kannst Du Dir selbst beantworten. Rein rhetorische Frage. In Nuancen anders als Gold. Aber das Prinzip ist genaz einfach und ein jeder hier sollte es kennen : Sachwert schlägt Geldwert.

    Der Optimist glaubt , dass wir zur Zeit im besten Deutschland aller Zeiten leben. Der Pessimist befürchtet es !

  • Wer also weitsichtig gehandelt hat, wird belohnt. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben/die Währungsreform.

    Lieber Jahre zu früh, als eine Sekunde zu spät.

    Demokratie ist die Diktatur der Dummen (Friedrich von Schiller)
    Das Grundprinzip der Parteien-Demokratie ist, die Bürger von der Macht fernzuhalten (Michael Winkler)
    Wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt, wird von ihr überrollt werden. 8o
    Wer Banken sein Geld überlässt, macht sich mitschuldig :!:

  • Ganz so einfach ist der Vergleich auch nicht.
    Im III. Reich war es für Ottonormalverbraucher gar nicht möglich Gold zu erwerben.
    Es gab zwar kein Direktes Goldverbot, allerdings musste Gold, welches veräußert werden sollte, immer der Reichsbank angeboten werden.


    Viele haben damals in Kriegszeiten die 5 RM als Silber gebunkert.
    Nach Kriegsende war mit Gold und Silber nicht viel zu machen.
    Die Zeit der Bunkerer kam mit der Währungsreform 1948.

    Suche immer Silber für den Ofen.

    Aktuell können wir keine Anfragen mehr bearbeiten. Sorry. [smilie_blume]


  • Also, bei uns war es so, wenn jemand gold gezeigt hat und wollte etwas hat er auch was dafür bekommen, ABER! Da hat sein Tauschpartner soweit er nicht wusste wo der gute mann mit gold wohnt jemand aus den ganzen Geier die nur drum warten Leute das Leben abzunehmen damit beauftragt den goldman zu verfolgen und zu erkunden ob man da auf gegenwehr stöst. Wenn der goldmann/frau pech hat und eine arme einsame Seele ist hat er am Abend Besuch bekommen, danach hat er kein gold mehr, oder kein Leben, das gleiche galt für DM, Dollar, Franken etc. Ich glaube während WKII war zivilisationsdecke noch vorhanden

    Lk 12:2-3 Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.Deshalb wird man alles, was ihr im Dunkeln redet, am hellen Tag hören, und was ihr einander hinter verschlossenen Türen ins Ohr flüstert, das wird man auf den Dächern verkünden.


    Dieser Beitrag ist eine persönliche Meinung gem. Art.5 Abs.1 GG und Urteil des BVG 1 BvR 1384/16

  • Wer nach den "Gold gab ich für Eisen" und Sonderurlab für Goldabgabe Aktionen noch was hatte, der hat das "Zeug" dann nicht verschleudert. Hier in der Provinz hatten die Bauern dann für 200 Jahre Bettwäsche, 1 Herrenhemd für jedenTag im Jahr, Taschentücher usw.. von den Städtern bis die Truhen überquollen. Tabak gabs im Eigenanbau, ist komplett geraucht worden... (aus den Erzählungen von Oma und Opa) Ich kenne einige teilw. grosse Bauern die später nicht 1 Goldstück geerbt haben. Nach den vorhergehenden Berichten hätten sich die Bauern ja von oben bis unten mit Gold behängen können...
    Also so jedenfalls in unserer Gegend, mag evtl. im Umkreis grosser Ballungszentren anders gewesen sein. 1 oder 2 Schachteln Zigaretten für 20RM Gold halte ich für die absolute Ausnahme, wenn nicht sogar Legende.


    Gruss

  • http://www.northstarbadcharts.com/
    Gold - Spotting that key breakout and then ignoring all the noise is a perfectly valid tactic. Now we wait for the next key breakout on this journey


    Dies irae | Veni, vidi, Deus vicit

    Money is made in the DELTA between PERCEPTION and REALITY


    Alle Mitteilungen in diesem Forum sind als reine private Meinungsäußerung zu sehen und keinesfalls als
    Tatsachenbehauptung. Hier gilt Artikel 5 GG und besonders Absatz 3
    Dieser Beitrag ist eine persönliche Meinung gem. Art.5 Abs.1 GG und Urteil des BVG 1 BvR 1384/16

  • Über die Währungsreform 2001 mit DM / Euro spricht ja niemand.


    Auch hier, vor allem langfristig gesehen große Verluste für die Sparer. Und das nicht nur wegen der negativen Zinsen.


    Grob gerechnet hat man in den 10 Jahren nach der Euro Einführung 80 Prozent seines Sparvermögens gegenüber dem Gold verloren.


    Einzig Immobilien dürften besser perforiert haben.


    Zur Währungsreform in 1948. Damals kostete ein Einfamilienhaus etwa 60 Unzen Gold. Heute muss man zwischen 200 und 300 Unzen bezahlen.


    Man muss aber auch mal den Goldpreis zum erreichten Arbeitseinkommen korrlieren.


    Im Jahr 2000 gehe ich mal von einem Lohn von 2500 DM aus. Dafür gab es grob 5 Unzen Gold zu kaufen.
    Es war ein normaler Handwerkerlohn mit dem man eigentlich sehr gut leben konnte.


    Etwas mehr als 20 Jahre später nun beträgt der vergleichbare Handwerkerlohn (netto) etwa 1600 Euro.
    Das ist jedoch nur 1 Unze Gold! Das heißt im Umkehrschluss, die Arbeitsleistung ist völlig unterbewertet.


    Gemessen am Jahr 2000 müsste der Lohn bei 8000 Euro liegen.


    Strompreise, Diesel, Mieten, Immobilien ist alles entsprechend gestiegen. Nur die Löhne nicht.

    Legends may sleep, but they never die !!!

  • :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup: chapeau

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