Wieso ist das Quatsch? Hatten wir aber auch schon mal in einem anderen Silberfaden.
Die Entwicklung geht weiter und die elektrische Leitfähigkeit von Kupfer (k=58) ist nur geringfügig schlechter als jene von Silber (k=61,4). Warum sollte man also, wenn das eine Material überproportional teurer wird, dieses nicht durch ein anderes ersetzen?
Korrosion ist ein Teil davon – aber der Hauptgrund ist: Silber hat eine Kombination aus Eigenschaften, die Kupfer so nicht gleichzeitig liefert.
- Elektrische Leitfähigkeit: Silber ist der beste elektrische Leiter. Kupfer ist zwar auch sehr gut, aber schlechter. In vielen High-Performance-Kontakten zählt jedes Prozent, weil sonst mehr Verlustwärme entsteht oder man größere Querschnitte braucht.
- Kontaktverhalten & Zuverlässigkeit: In Schaltern, Steckern, Relais, RF-Kontakten usw. ist nicht nur „Leitfähigkeit“ wichtig, sondern niedriger und stabiler Kontaktwiderstand über Jahre. Silberoberflächen verhalten sich da oft zuverlässiger als Kupfer.
- Oxidation/Korrosion:
- Kupfer oxidiert relativ schnell (Kupferoxid/-carbonat). Diese Schichten erhöhen den Kontaktwiderstand und sind in elektrischen Kontakten oft problematisch.
- Silber oxidiert deutlich weniger kritisch; typisch ist eher Sulfidbildung (Anlaufen). Die Schicht ist meist dünn – kann aber je nach Umgebung ebenfalls stören.
Ergebnis: Kupfer muss viel häufiger beschichtet/geschützt werden (z. B. Nickel, Zinn, Gold), was Kosten und Prozesskomplexität erhöht.
- Wärmeleitfähigkeit: Silber leitet Wärme extrem gut. In Anwendungen, wo Strom + Wärmeabfuhr gleichzeitig wichtig sind (z. B. Leistungselektronik, bestimmte Pasten/Leiterbahnen), ist das ein Vorteil.
- Chemische/elektrochemische Eigenschaften: In manchen Bereichen (z. B. Batterien, Katalyse, spezielle Pasten/Harze) wird Silber nicht „als Draht“ genutzt, sondern wegen Oberflächen- und Materialeigenschaften. Kupfer kann das oft nicht 1:1 abbilden.
- Verarbeitung in speziellen Technologien: In PV z. B. geht es nicht nur um „Metall ist leitfähig“, sondern um Kontaktierung, Haftung, Prozessfenster, Langzeitstabilität und feine Strukturen. Da gibt es Kupfer-Ansätze, aber „einfach ersetzen“ ist es eben nicht.
Unterm Strich: Man kann Silber in einigen Anwendungen teilweise durch Kupfer (oder durch andere Metalle/Legierungen/Beschichtungen) substituieren, aber häufig nur mit Trade-offs: mehr Schutzschichten, mehr Ausfallrisiko, schlechtere Performance oder komplexere Fertigung. Corrosion/oxidation ist also wichtig – aber nicht der einzige Grund.