Nagel: "Möglicherweise noch eine ganze Menge Inflation vor uns"
Bundesbankpräsident Joachim Nagel verschärfte den Ton gegenüber dem Handelsblatt noch weiter: "Zinserhöhungen werden immer wahrscheinlicher, sofern sich das Inflationsbild nicht grundlegend ändert".
Die EZB bewege sich nicht mehr im Basisszenario ihrer eigenen Prognosen, sondern auf das ungünstige Szenario zu. Besonders seine Warnung vor Zweitrundeneffekten lässt aufhorchen: "Aus der Vergangenheit wissen wir, dass es leicht 18 Monate dauern kann, bis sich ein Versorgungsschock auf alle Warengruppen auswirkt".
Investoren rechnen laut Bericht inzwischen mit einer Zinserhöhung um einen Viertelpunkt bereits im Juni, bis Jahresende könnten zwei weitere Erhöhungen folgen.
Sollte dies eintreffen, dann steckt die EZB in einem klassischen Dilemma: Höhere Zinsen bremsen die ohnehin schwache Wirtschaft weiter, mit Nichtstun riskiert die EZB dagegen, dass Haushalte, Unternehmen und Finanzmärkte nicht mehr glauben, dass sie die Inflation am Zielwert von zwei Prozent halten kann.